Polydesmus angustus Latzel, 1884

Allgemeines

Länge 13 – 24 mm
Beschreibung Große, glänzende, blass graubraune bis braune Art. Auf dem Rücken verläuft eine schmale, dunkle Rückenbinde, welche im ersten Körperdrittel beginnt. Seitenflügel sind nicht aufgehellt wie bei Polydesmus complanatus. Beine braungelb und die Körperunterseite graugelb und somit heller als bei P. complanatus. Beine des Männchens länger und kräftiger. Kopfschild etwas schmaler als der Kopf (inkl. Backen), quer elliptisch.
Die Tuberkeln (kleiner Höcker) auf den Rückenschilden nicht sehr deutlich ausgeprägt, erste Reihe am schwächsten. Beule gut ausgebildet, bei den Weibchen geteilt. Seitenrand schwach konvex. Der vordere Rand der ersten Rückenschilde rechtwinklig, ca. vom 4. ab gerundet. Der hintere Rand der Seitenflügel zunächst rechtwinklig, ab dem 6. Segment spitzer werdend, bei den letzten Segmenten zahnartig verlängert. Seitenflügel nicht aufgekrümmt.
Verbreitung & Häufigkeit In Westeuropa und den Britischen Inseln verbreitet und häufig. Kommt auch in Deutschland häufig vor und besitzt ihre östliche Verbreitungsgrenze auf Höhe der Saale. Breitet sich aber durch Verschleppung (Pflanzmaterial, Gärten, Aufforstungen) auch östlich dieser Grenze stark aus, auch in natürlichen Habitaten (z.B. Wäldern).
Lebensräume & Lebensweise Kommt vor allem in Wäldern vor, ist aber auch in Gebüschen, Gärten und Komposthaufen zu finden. Hält sich bevorzugt in der Nähe von Stubben und Totholz auf. Es werden sowohl saure als auch basische Böden besiedelt (pH 3,7-9,2). In einem weiten Spektrum an Biotopen anzutreffen (eurytop) – von Wäldern bis Wiesen, aber auch in Städten und Gärten. Es ist eine hygrophile (feuchtigkeitsliebende) Waldart. Ist am aktivsten im Mai und Oktober. Paarungen finden von März bis Juni und von August bis Dezember statt. Im Frühjahr und Sommer ist die Eiablage. Die Individuen der ersten Hälfte der Eiablagezeit schlüpfen von Mai bis August, überwintern in Stadium V bis VIII (erwachsen) und erlangen die Geschlechtsreife in einem Alter von etwa einem Jahr. Sie pflanzen sich dann im Frühjahr fort. Die Individuen, welche von August bis Oktober geboren werden, überwintern das erste Mal in Stadium III bis V und das zweite Mal als geschlechtsreife Tiere. Die Fortpflanzung findet dann in einem Alter von ca. 2 Jahren im Frühjahr statt. Die geschlechtsreifen Tiere sterben nach der Fortpflanzungszeit im Sommer oder frühen Herbst. Die Art bevorzugt Temperaturen von 4 bis 10°C.

Die Entwicklung und Fortpflanzung dieser Art wird durch die Tages-/Nachtlänge beeinflusst. Bei einem langen Tag (16:8 h) dauert das Stadium VII bei beiden Geschlechtern einige Monate länger als bei einem kurzen Tag (12:12 h). Diese Sommerruhe tritt bei den als Stadium III-V überwinterten Individuen auf und soll höchstwahrscheinlich den unnötigen Verlust von Wasser bei der Häutung verhindern. Die geschlechtsreifen Weibchen werden durch einen langen Tag (16:8 h) eher zur Eiablage stimuliert, als durch einen kurzen Tag. Die im Herbst, nach der Sommerruhe, auftauchenden Weibchen werden an der Fortpflanzung gehindert (reproduktive Ruhephase) und können sich erst im kommenden Frühjahr fortpflanzen. Bei den geschlechtsreifen Männchen hat die Tageslänge dagegen keinen Einfluss auf das Fortpflanzungsverhalten.

Bei den ersten 3 Juvenilstadien geht viel Feuchtigkeit über die Körperhülle verloren (Transpirationsrate ca. 0,7-2,3 %/min bei 20-30°C), mit zunehmenden Stadium wird dies weniger und bei den geschlechtsreifen Tieren liegt die Transpirationsrate bei ca. 0,1-0,2 %/min (20-30°C). Die juvenilen Stadien bilden daher meist Anhäufungen/Gruppen. Die geschlechtsreifen Tiere haben dagegen einen großen Aktivitätsradius. Die Hauptnahrung stellen Laubstreu und Holz dar, aber auch Moos wird gelegentlich gefressen.

Rote Liste Deutschland Ungefährdet (*)
Rote Liste Quelle Reip, H.S., Spelda, J., Voigtländer, K., Decker, P. & N. Lindner (2016): Rote Liste und Gesamtartenliste der Doppelfüßer (Myriapoda: Diplopoda) Deutschlands. – In: BfN (ed): Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands. Band 4: Wirbellose Tiere (Teil 2). – Naturschutz und Biologische Vielfalt 70(4): 301–324.
Literatur BLOWER, J. G. (1985): Millipedes. Keys and notes for the identification of the species. – Synopses of the British Fauna 35: 1-242.

DAVID, J. F.; VANNIER, G. (2001): Changes in desiccation resistance during development in the millipede Polydesmus angustus. – Physiological Entomology 26 (2): 135-141.

HAACKER, U. (1968): Deskriptive, experimentelle und vergleichende Untersuchungen zur Autökologie rhein-mainischer Diplopoden. – Oecologia 1: 87-129.

SCHUBART, O. (1934): Tausendfüßler oder Myriapoda. I: Diplopoda. -In: Dahl, F.: Die Tierwelt Deutschlands und der angrenzenden Meeresteile 28: 1-318.

Systematik

Stamm Gliederfüßer (Arthropoda)
Klasse Doppelfüßer (Diplopoda)
Ordnung Bandfüßer (Polydesmida)
Familie Polydesmidae
Genus Polydesmus

Verbreitungskarte

Diese Verbreitungskarte wird live aus den Daten von Edaphobase generiert.


Phänologie

Auftreten der verschiedenen Geschlechter und Entwicklungsstadien im Jahresverlauf. Das Phänologie-Diagramm wird live aus den Daten von Edaphobase generiert.

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