Cylindroiulus latestriatus (Curtis, 1845)

Allgemeines

Länge 9-19 mm
Beschreibung Graubraune bis hellbraune glänzende mittelgroße Art. In den Flanken aufgehellt. Ältere Exemplare (Weibchen) meist dunkler, teilweise fast schwarz. Wehrdrüsen dunkler, aber niemals rot, wie bei der sehr ähnlichen Art Cylindroiulus britannicus. Vorderer Abschnitt der Doppelsegmente glatt, der hintere Abschnitt der Doppelsegmente (Metazonit) mit feinen Furchen, welche sich in einem ungleichmäßigem relativ weiten Abstand befinden. Ocellen fast zu einer einheitlichen schwarzen Fläche verschmolzen, die einzelnen Ocellen sind nur sehr schwer zu erkennen. Zwischen den Augenfeldern mit marmorierter Stirnbinde. Backen des Männchens in einen ziemlich großen abgerundeten Lappen erweitert. Vorderrand des Kopfschildes (Collum) dunkel, Unterrand mit 2 bis 3 Furchen. Beine und Antennen weißlichgelb. Analsegment (Telson) ohne dorsalen Fortsatz, am oberen Ende und Analschuppe mit je einem Paar Borsten. Analklappen mit je 3 Borsten. Erstes Beinpaar der geschlechtsreifen Männchen zu einem Häkchenpaar umgewandelt, Beine mit Sohlenpolstern an Postfemur und Tibia, nach dem 7. Segment an Stärke stark abnehmend.
Männchen 30 bis 39 Segmente, Weibchen 30 bis 43 Segmente.
Körperlänge:
Männchen: 8,6-12,5 mm lang; 0,81-1,03 mm breit
Weibchen: 8,7-16,0 mm lang; 0,94-1,37 mm breit
Verbreitung & Häufigkeit Vor allem im Norden und Westen Deutschlands verbreitet.
Cylindroiulus latestriatus ist ursprünglich in West- und Nordeuropa beheimatet, wurde aber auch nach Osteuropa, Nordamerika, Afrika, Australien und Asien verschleppt.
Lebensräume & Lebensweise Cylindroiulus latestriatus ist eine stenöke (= spezialisiert auf bestimmte ökologische Ansprüche) hygrophile (= feuchtigkeitsliebende) Feldart, welche vor allem in baumarmen, sandigen Steppenbiotopen vorkommt, wo sie oft die häufigste Diplopodenart ist. Weitere Verbreitungsschwerpunkte finden sich in Gebüschen, lichten Kiefernwäldern und Dünenlandschaften. C. latestriatus kommt aber auch durch Verschleppung synanthrop (= in Bauwerken in Menschennähe) in Gärten, Friedhöfen, Gärtnereien, Komposthaufen, Warmhäusern und Schuttplätzen vor. Cylindroiulus latestriatus kommt sowohl auf sauren als auch basischen Böden vor. Cylindroiulus latestriatus ist von März bis Mai und September bis November aktiv, an synanthropen Orten auch ganzjährig, z. B. Komposthaufen und Warmhäuser. Kopulation finden in den Monaten April/Mai und Oktober/November statt. Die Eiablage erfolgt im späten Frühjahr.
Diese Art führt tagesrhythmische Vertikalbewegungen aus. In den warmen Mittagsstunden vergraben sie sich, nachts sind sie auf der Oberfläche aktiv, haben aber nur einen Aktionsradius von meist unter einem Meter. Die Art benötigt 3 Jahre bis zum Erreichen der Geschlechtsreife. Die Jungtiere überwintern ihren ersten Winter in Stadium III bis V, den zweiten Winter in Stadium VII oder VIII um sich dann im darauffolgenden Frühling fortzupflanzen. Die Männchen sterben nach der Fortpflanzungszeit, die Weibchen dagegen häuten sich erneut und pflanzen sich im nächsten Jahr erneut fort. Diese Art hat eine Vorzugstemperatur von 26 bis 30°C.
In ihrer Lebensweise in und auf dem Boden und dem Vorkommen in Trockenbiotopen unterscheidet sie sich von der sehr ähnlichen Art Cylindroiulus britannicus, welche eher im Totholz vorkommt und fast nur an stark synanthropen Orten vorkommt. Die Hauptnahrung ist Laubstreu, aber auch Moos, Holz und Gras wird gefressen.
Rote Liste Deutschland Ungefährdet (*)
Rote Liste Quelle Reip, H.S., Spelda, J., Voigtländer, K., Decker, P. & N. Lindner (2016): Rote Liste und Gesamtartenliste der Doppelfüßer (Myriapoda: Diplopoda) Deutschlands. – In: Gruttke, H., Balzer, S., Binot-Hafke, M., Haupt, H., Hofbauer, N., Ludwig, G., Matzke-Hajek, G. & Ries, M. (Bearb.): Rote Liste der gefährdeten Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands. Band 4: Wirbellose Tiere (Teil 2). – Bonn (Bundesamt für Naturschutz). – Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (4): 301–324.
Literatur Blower, J. G. (1985): Millipedes. Keys and notes for the identification of the species. – Synopses of the British Fauna 35: 1-242.

Haacker, U. (1968): Deskriptive, experimentelle und vergleichende Untersuchungen zur Autökologie rhein-mainischer Diplopoden. – Oecologia 1: 87-129

Schubart, O. (1934): Tausendfüßler oder Myriapoda. I: Diplopoda. -In: Dahl, F.: Die Tierwelt Deutschlands und der angrenzenden Meeresteile 28: 1-318.

Systematik

Stamm Gliederfüßer (Arthropoda)
Klasse Doppelfüßer (Diplopoda)
Ordnung Schnurfüßer (Julida)
Familie Julidae
Genus Cylindroiulus

Verbreitungskarte

Diese Verbreitungskarte wird live aus den Daten von Edaphobase generiert.


Phänologie

Auftreten der verschiedenen Geschlechter und Entwicklungsstadien im Jahresverlauf. Das Phänologie-Diagramm wird live aus den Daten von Edaphobase generiert.

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